Pflanzenprofil

Rosskastanie

Aesculus hippocastanum L.

Deutscher NameRosskastanie
Botanischer NameAesculus hippocastanum L.
FamilieSapindaceae

Botanisches Profil

Aesculus hippocastanum ist ein großer sommergrüner Baum mit handförmig gefingerten Blättern, auffälligen Blütenkerzen und glänzenden braunen Samen. Besonders die Samen sind wegen ihres Saponinkomplexes Aescin bekannt.

Aesculus hippocastanum L. stammt ursprünglich aus Südosteuropa und ist heute in Parks, Alleen und Kulturlandschaften weit verbreitet. Die Blätter sind groß, gegenständig und handförmig gefingert. Im Frühjahr erscheinen aufrechte, kerzenartige Blütenstände mit weißen, gelblich oder rötlich gezeichneten Blüten. Die Früchte sind grüne, meist stachelige Kapseln mit großen glänzend braunen Samen. Diese Samen werden umgangssprachlich Kastanien genannt, sind botanisch jedoch nicht mit essbaren Kastanien verwandt. Rohstoffkundlich stehen Samen im Vordergrund; Rinde, Blätter und Blüten besitzen andere chemische Profile.

Phytochemie

Rosskastaniensamen enthalten ein komplexes Gemisch triterpenoidaler Saponine, das als Aescin oder Escin bezeichnet wird. Daneben kommen Flavonoide, Cumarine, Gerbstoffe, Stärke, Proteine und weitere Begleitstoffe vor. Rinde und Blätter enthalten unter anderem Cumarinderivate wie Aesculin und Aesculetin sowie Flavonoide und Gerbstoffe. Die saponinreiche Samenfraktion muss klar von rohen Samen und anderen Pflanzenteilen unterschieden werden. Verarbeitung, Extraktion, Reinigung und Standardisierung bestimmen Zusammensetzung und Sicherheit wesentlich.

Traditionelle Anwendungen

Die Rosskastanie wurde in Europa seit der frühen Neuzeit als Zier-, Schatten- und Alleebaum verbreitet. Die Samen wurden traditionell als Waschrohstoff, nach spezieller Aufbereitung teils als Tierfutter und in volkskundlichen Zusammenhängen genutzt. In der europäischen Arzneipflanzenkunde erlangten Samenextrakte besondere Bedeutung. Die glänzenden Samen sind kulturell bekannt, aber nicht mit essbaren Kastanien zu verwechseln. Historische Angaben beziehen sich auf bestimmte Zubereitungen und sagen nichts über die Sicherheit roher Samen aus.

Aktuelle Forschung

Die Forschung konzentriert sich auf standardisierte Samenextrakte, Aescin-Fraktionen, Gefäßmodelle, Entzündungsmodelle, Permeabilitätsuntersuchungen und klinische Studien zu definierten Extrakten. Analytisch stehen Aescin-Gehalt, Saponinmuster, Cumarinderivate, Reinheit und Extraktstandardisierung im Vordergrund. Ergebnisse zu gereinigten oder standardisierten Extrakten sind nicht auf rohe Samen, Blätter oder Rinden übertragbar. Für Qualität und Sicherheit sind definierte Extrakttypen, Dosierung, Begleitstoffe und Kontaminantenkontrolle wesentlich.

Quellen

  • Plants of the World Online: Aesculus hippocastanum L.; Royal Botanic Gardens, Kew.
  • EMA/HMPC-Dokumente zu Aesculus hippocastanum L., semen.
  • Standardwerke zu Hippocastani semen und Aescin.

Hinweis

Die in diesem Pflanzenprofil dargestellten Informationen wurden nach bestem Wissen und Gewissen aus botanischen, phytochemischen, historischen und wissenschaftlichen Quellen zusammengestellt. Sie dienen ausschließlich der allgemeinen Fachinformation und ersten Orientierung.

Die Inhalte stellen keine Zusicherung bestimmter Eigenschaften, Wirkungen, Qualitäten oder Einsatzmöglichkeiten von Produkten oder Extrakten dar. Insbesondere begründen sie keine Garantie, Eignungszusage oder Aussage zur Verkehrsfähigkeit, Zulässigkeit oder Verwendbarkeit in konkreten Anwendungen oder Märkten.

Die Beurteilung der Eignung eines Rohstoffs oder Extrakts für einen bestimmten Verwendungszweck sowie die Einhaltung aller geltenden rechtlichen und regulatorischen Anforderungen obliegen ausschließlich dem jeweiligen Verwender.