Botanisches Profil
Glycyrrhiza glabra ist eine ausdauernde Fabaceae-Art und die klassische Quelle von Süßholzwurzel. Die Wurzel- und Ausläuferrohstoffe sind durch den süß schmeckenden Triterpensaponin-Komplex um Glycyrrhizin sowie flavonoidreiche Begleitfraktionen geprägt.
Glycyrrhiza glabra L. ist eine ausdauernde krautige bis halbstrauchige Pflanze mit kräftigem Wurzel- und Ausläufersystem, unpaarig gefiederten Blättern, blassvioletten bis bläulichen Schmetterlingsblüten und Hülsenfrüchten. Die Art kommt ursprünglich in Südosteuropa, West- und Zentralasien sowie angrenzenden Regionen vor und wird für Wurzelrohstoffe kultiviert. Rohstoffkundlich werden geschälte oder ungeschälte Wurzeln und Ausläufer verwendet. Das charakteristische süße, leicht kratzige und anhaltende Geschmacksprofil ist ein zentrales Identitätsmerkmal. Süßholz ist von anderen Glycyrrhiza-Arten abzugrenzen, die regional ebenfalls genutzt werden können, aber unterschiedliche Profile besitzen.
Phytochemie
Süßholzwurzel enthält Triterpensaponine, insbesondere Glycyrrhizin beziehungsweise Glycyrrhizinsäure und deren Salze, daneben Flavonoide wie Liquiritin, Isoliquiritin, Liquiritigenin und Isoliquiritigenin, Chalcone, Cumarine, Polysaccharide, Sterole und weitere phenolische Begleitstoffe. Glycyrrhizin ist für die intensive Süße und für viele regulatorisch relevante Effekte zentral. Deglycyrrhizinierte Süßholzfraktionen besitzen ein anderes Profil als Vollwurzelextrakte. Gehalt und Zusammensetzung hängen von Herkunft, Art, Erntealter, Wurzelteil, Schälung, Trocknung und Extraktionsmittel ab. Für Extrakte sind Glycyrrhizingehalt, Flavonoidprofil, Lösungsmittel und Standardisierung maßgeblich.
Traditionelle Anwendungen
Süßholz zählt zu den historisch bedeutendsten Wurzelrohstoffen der europäischen, arabisch-persischen, chinesischen und ayurvedischen Pflanzenkunde. Die Wurzel wurde als süßender, harmonisierender und aromatischer Bestandteil komplexer Zubereitungen verwendet und fand auch in Süßwaren, Lakritz, Getränken und Tabakaromen Verwendung. In vielen Traditionen diente Süßholz dazu, bittere oder scharfe Pflanzenmischungen sensorisch auszugleichen. Historische Verwendungen beziehen sich auf definierte Wurzelzubereitungen und sind von modernen gesundheitsbezogenen Aussagen zu unterscheiden. Die starke Süße macht Süßholz zugleich zu einem technologisch interessanten Rohstoff.
Aktuelle Forschung
Die moderne Forschung zu Glycyrrhiza glabra behandelt Glycyrrhizin, Glycyrrhetinsäure, Flavonoide, entzündungsbezogene Modelle, Schleimhautmodelle, antivirale und antimikrobielle Testsysteme, Pharmakokinetik und Sicherheit. Besonders relevant ist die mineralokortikoidartige Wirkung von Glycyrrhizin-Metaboliten, die bei hoher Aufnahme oder empfindlichen Personen zu Blutdruckanstieg, Kaliumverlust und weiteren unerwünschten Effekten beitragen kann. Forschung unterscheidet Vollwurzelextrakte, isolierte Glycyrrhizinfraktionen und deglycyrrhizinierte Zubereitungen. Europäische Monographien und Bewertungen behandeln bestimmte Wurzelzubereitungen im traditionellen Kontext. Für die Bewertung ist die genaue Spezifikation des Extrakts unverzichtbar.
Quellen
- Plants of the World Online: Glycyrrhiza glabra L.; Royal Botanic Gardens, Kew.
- EMA/HMPC-Dokumente zu Glycyrrhiza glabra L. und Glycyrrhiza inflata Bat., radix.
- Standardwerke und Übersichtsarbeiten zu Süßholz, Glycyrrhizin und Flavonoiden.
Hinweis
Die in diesem Pflanzenprofil dargestellten Informationen wurden nach bestem Wissen und Gewissen aus botanischen, phytochemischen, historischen und wissenschaftlichen Quellen zusammengestellt. Sie dienen ausschließlich der allgemeinen Fachinformation und ersten Orientierung.
Die Inhalte stellen keine Zusicherung bestimmter Eigenschaften, Wirkungen, Qualitäten oder Einsatzmöglichkeiten von Produkten oder Extrakten dar. Insbesondere begründen sie keine Garantie, Eignungszusage oder Aussage zur Verkehrsfähigkeit, Zulässigkeit oder Verwendbarkeit in konkreten Anwendungen oder Märkten.
Die Beurteilung der Eignung eines Rohstoffs oder Extrakts für einen bestimmten Verwendungszweck sowie die Einhaltung aller geltenden rechtlichen und regulatorischen Anforderungen obliegen ausschließlich dem jeweiligen Verwender.
